Thilo Sarrazin (SPD) oder: Darf man Rassisten Rassisten nennen?
Was sagte der Sozialdemokrat Thilo Sarrazin nochmal? Ach ja, unter anderem: „Ich muß niemanden anerkennen, der … ständig neue Kopftuchmädchen produziert.“ – „Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate.“ – „Meine Vorstellung wäre: generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr für Einwanderer.“
Der Politikwissenschaftler Gideon Botsch hat ein Gutachten erstellt (
hier kann man’s nachlesen), in dem in aller Sachlichkeit etwas nachgewiesen wird, was in einem anderen Land als Deutschland auch Minderbegabte auf den ersten Blick erkennen würden: daß viele der Äußerungen, die Sarrazin vom Stapel gelassen hat, eindeutig rassistisch sind. Dieses bemerkenswerte Sarrazin-Zitat etwa: „Die Integration hat Stufen. Die erste Vorstufe ist, daß man Deutsch lernt, die zweite, daß man vernünftig durch die Grundschule kommt, die dritte, daß man aufs Gymnasium geht, dort Examen macht und studiert“ bringt Gideon Botsch lakonisch so auf den Punkt: „Integration ist also … offenbar nur für Menschen möglich, die studiert haben.“ Das höchst lesenswerte Gutachten kommt zu dem sachlichen und völlig unbestreitbaren Schluß: Jene Handlungsvorschläge, die Sarrazin der Politik unterbreitet, werden „in dieser Radikalität sonst nur von antidemokratischen, rechtsextremen Parteien erhoben“.
Da manche Meinungsmacher aber auch nicht wesentlich anders ticken als unsere selbsternannten Eliten und Leistungsträger, gab es das größte Geschrei nicht etwa um Sarrazins rassistische Äußerungen, sondern darum, daß Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, öffentlich eins und eins zusammengezählt und dabei auf zwei gekommen ist – und selbst dabei formulierte er noch sehr vorsichtig und bedächtig: „Ich habe den Eindruck“, sagte Kramer, daß Sarrazin mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler (welche, sage ich, ebenfalls rassistisch, antidemokratisch und vielleicht sogar radikal und rechtsextrem waren, wie demnächst wohl ein weiteres wissenschaftliches Gutachten zu belegen haben wird) große Ehre erweise; auch in einer späteren
Erklärung bleibt Stephan Kramer, verstockter Jude der er ist, darauf bestehen: Rassistische Äußerungen sind rassistische Äußerungen. Was? 1=1? 1+1=2? Solche dreisten Gleichsetzungen brauchen sich unsere Journalisten wohl nicht bieten zu lassen, nur weil da ein deutscher Leistungsträger mal ein bißchen schnoddrig dahergeredet hat:
Stephan Kramer muss [weg]. Ein Generalsekretär des Zentralrats der Juden, der sogleich die Hitler’sche Weltverschwörung wittert, der durch eilige Gleichsetzung von Sarrazins Schnodderschnauze mit Goebbels Vernichtungspropaganda die Verbrechen der Nazis verharmlost – der passt … nicht in sein Amt. Er betreibt im Übereifer die Banalisierung des Grauens.
Es spricht nicht für Sarrazin, dass er in seinen Gegnern niedere Instinkte weckt, sie zu ähnlich plumpen Bildern und Analogien anstiftet, wie er selbst sie im Interview gebrauchte. Es spricht aber ebenso wenig für seine Kritiker, wenn sie derart die Contenance verlieren. Deswegen: Wenn sie schon, wie zu erwarten ist, beide nicht zurücktreten – schweigen sollen sie und nachdenken, bevor sie das nächste dreiste Wort verbreiten.
Quelle:
Astrid Hölscher in der „Frankfurter Rundschau“ vom 9. Oktober 2009

Quelle:
Lukas Heinser auf coffeeandtv.de, 9. Oktober 2009
„Da half nur noch eins, um gehört zu werden“, schreibt Lukas Heinser, der nunmehrige Chef von BILDblog, und ahnt dabei gar nicht, wie recht er hat; nur daß es halt nicht Stephan Kramer anzulasten ist, wenn er ansonsten vom Medienbetrieb, dessen vernünftigeren Teil Heinser zum „Empörungskarussell“ verniedlicht, überhaupt nicht wahrgenommen worden wäre. Astrid Hölscher verharmlost Sarrazins evidenten Rassismus, indem sie seine Äußerungen als Schnoddrigkeiten abtut; und natürlich gehört für sie auch Stephan Kramer zu denjenigen, die ein „dreistes Wort“ verbreitet haben und die das nächste Mal besser „schweigen“ sollen. Ich habe den Eindruck: Was Lukas Heinser gerne ebenso explizit gesagt hätte wie Astrid Hölscher es getan hat, ist: Der Jude soll sein Maul halten.
