29. Januar 2010  |  Wirklichkeit

Rette sich wer kann

Neil Barofsky … ist so etwas wie der oberste Buchprüfer für die Rettungsfonds, die die US-Regierung während der Kreditkrise ausgereicht hat. Im Klartext: Barofsky soll feststellen, wo die Milliarden der Steuerzahler gelandet sind, für welchen Zweck sie verwendet wurden und ob bei der Vergabe alles mit rechten Dingen zuging … Er hat sich vorgenommen, das Geheimnis um die Rettung des Versicherungsgiganten AIG zu lüften. Doch Barofsky hat Zweifel, ob es so teuer hätte sein müssen. Denn die Steuermilliarden blieben nur kurze Zeit in den Kassen von AIG, bevor sie umgehend an mehr als ein Dutzend Banken weitergeleitet wurden, die von AIG Sicherheiten in Bar forderten. Dabei handelt es sich um stattliche Beträge. Goldman Sachs bekam mit 12,9 Milliarden Dollar den größten Batzen, die französische Großbank Société Générale war mit 11,9 Milliarden Dollar dabei, gefolgt von der Deutschen Bank mit 11,8 Milliarden Dollar. Wer das Geld bekommen hatte, rückten AIG und die Notenbank erst nach langem Zögern und auf massiven Druck des Kongresses heraus. Auch mehr als 16 Monate nach der Rettungsaktion sind viele Details im Dunkeln, obwohl AIG sich seither zu knapp 80 Prozent in Staatseigentum befindet. So wird das entscheidende Protokoll der Verhandlungen in der Nacht zum 16. September 2008 von der Notenbank bis heute unter Verschluss gehalten … Die Frage, die Barofsky umtreibt: Warum erlaubten die Notenbanker und das Finanzministerium AIG, die Forderungen der Banken zu 100 Prozent zu befriedigen?

Quelle: Heike Buchter auf „Zeit Online“, 28. Januar 2010

[via Nachdenkseiten]